Perspektiven

Abendgang im Juni, der Mai war feucht und kühl, Gras und Getreide stehen wuchtig und der Feldweg eine Gasse, von Hornveilchen gesäumt. Vorsicht, Idylle, ich gerate immer in eine Idylle, deshalb bin ich ein abstrakter Maler geworden,

aber tatsächlich setzt die Sonne jetzt auf das Vorgebirge auf und lässt die Grannen der Gerste leuchten, kupferfarben, das viel besungene Ährengold.

Wie man das hinbekommt? Zitron grundieren und wenn´s getrocknet, Echtrosa Lasur, dann glüht´s. Die Gerste ist wie ein Wasser, sie wogt, der Wind geht hindurch wie durch das Fell eines in der Ebene ausgestreckten Tieres. Die Assoziation – kuschelig. Aber das täuscht, Grannen sind hart, Die Mauersegler sicheln auf ihrer Jagd im Tiefflug über die Bosten und lassen sich die Bäuche pinseln.

Rechts neben dem DLF Hochhaus ragt die Silhouette eines Kirchturms auf, die Abmessungen wollen nicht passen und ich habe, als ich hier hingezogen bin, manchen Blick getan, bevor ich darin den Dom erkannte. Weiter westlich, wo die Perspektive den hinteren Turm preisgab, konnte man den Dom erkennen, hier im Süden verschwindet der linke Turm hinter dem rechten.

Kein Museumsbesuch ohne in den Dom, dann der Blick von der Domplatte, dann das Segafredo und einen Cappuccino und den Blick schweifen lassen über das Treiben auf dem Platz, alle Sorten Menschen, ein bisschen Fellini ohne Schwarz-weiß.

Der ohnehin rötliche Boden der Ebene glüht im Restlicht und mein Schatten schnellt weit in das Rübenfeld, vom Vorgebirge fluten die Schatten ostwärts, es steigt an mir hoch, Licht erstirbt. Die Erde ein Mond, auf dem ich jetzt im Moment von der hellen auf dunkle Seite hinüberwechsele.


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