Werkstattnotizen

Meine Maltechnik ist Teamwork. Ich male mit dem Wasser. Das tun natürlich Viele, aber ich benutze es nicht primär als Lösungsmittel, sondern ich nutze seine Energie, seine Fließkraft. Klar, Wasser fließt, wenn die Leinwand senkrecht steht, was weiter? Ich lenke das Fließen.

Ich bin Sauerländer. Die Energie, die in den Bach- und Flusstälern Draht gezogen und Bleche gehämmert hat ist mir vertraut, vor allem durch eigenhändiges Stauen und Umleiten dieses Fließens in Kindertagen. Vergleichbares geschieht bei meiner Malerei: ich lenke das Wasser in gewisse Bahnen und halte es von anderen Partien fern. Da gibt es ein ganzes Bündel von Techniken, mit denen ich das tue und an deren Anfang neben meiner Affinität zu diesem Element, ein Zufall gestanden hat.

Ich hatte meine Malerei von Tuben auf Pigmente umgestellt, die Vorteile sind: keine Verpackungen, kein Eintrocknen und vor allem das Alchimistische der Farbherstellung. Diese Substanzen, die in den Dosen und Gläsern leuchteten und lockten und nicht aus Tuben gedrückt werden mussten. Tubenfarben haben für mich die Ästhetik von Grillsaucen, aber das ist ein Gefühl und steht wie Gefühle nicht zur Diskussion. Ich mischte also meine erste Farbe und wusste aus Lehrbüchern, dass die Farbe, wenn sie ein Volumen haben sollte, Füllstoff beigemengt bekommen musste. Ich gab also ein Gesteinsmehl hinzu und setzte die fertige Farbpaste mit Acrylat angerührt auf eine Leinwand, auf der ich vorher einige Spritzer vom Anmischen her mit einem Schwamm abgewischt hatte. Und da passierte es: auf dem Trockenen verharrte die Farbe anfangs, fing dann aber an zu sickern und sintern und Adern und Furchen zu bilden, während dieselbe Farbe in der Nässe an den Rändern aufblühte und Netzwerke bildete, in denen sich die verschiedenen farbigen Pigmente wieder voneinander sonderten. Ich war elektrisiert: das ging mich etwas an.

Einflüsse aus dem Wasserland

Nun bin ich nicht nur Westfale, sondern bin als Kind einige Jahre in Holland aufgewachsen, wahrhaftig ein Wasserland, aber ohne Täler, sondern mit hohem Himmel und ganz flachen Horizonten und einem Wasser, dass sich nach überall hin ausbreitete, wenn man es nicht durch Dämme und Deiche davon abhielt. Aber das gelang nicht immer und man hörte von versunkenen Städten in den Poldern. Und so hatte ich Modelle parat und ich untersuchte die Pigmente neben ihrer Farbigkeit vor allem danach, ob und wie sie dem Wasser Widerstand leisteten und meine Bilder sind auch ein Musterbuch des Wechselspiels von Festem und Wasser, von Widersehen und Dynamik und den Fließmustern der Pigmente. Das alles ist mein Instrument, aber Komposition, Klänge, Rhythmen, das ist der Künstler. Ich male abstrakt, da hat man viel vom Musiker, der auch nicht erzählt, sondern Stimmung und Emotion ausdrückt und da passt das Wasser noch einmal: in vielen Kulturen steht Wasser für das Gefühl.


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